Umgang mit gefundenen Wildtieren

Jedes Jahr sammeln Spaziergänger vermeintlich verwaiste oder kranke Tierjunge ein, oft Hasen oder Rehkitze, und bringen diese gerade erst durch das Mitnehmen in Gefahr. Rehe und Hasen bringen ihre Jungen anders als beispielsweise Füchse oder Dachse nicht in einem geschützten Bau zur Welt, sondern auf der Wiese. In den ersten Lebenswochen können die Jungen ihren Elterntieren noch nicht folgen, weshalb sie von der Ricke oder der Häsin abgelegt werden. Zum Schutz vor Raubtieren haben die Jungen noch keinen Körpergeruch, durch den sie gewittert werden könnten. Mehrmals täglich kommen dann die Ricke oder die Häsin zu den Jungen und säugen sie. Sie sind also keinesfalls verwaist!

Nähert sich nun ein Mensch und hebt diese Tiere auf, nehmen sie dessen Körpergeruch an. Das macht eine spätere Zusammenführung mit dem Elterntier nahezu unmöglich.

Deshalb: Wer beim Spazieren auf ein solches abgelegtes Tierjunges trifft, sollte sich umgehend und leise zurückziehen! Auch für niedliche Tierfotos ist dies nicht der richtige Moment!

Die Brut- und Setzzeit, die in Sachsen auf den Zeitraum zwischen dem 1. April und dem 15. Juli festgelegt ist, ist für unsere Wildtiere eine sensible Zeit, in der sie vor menschlicher Belästigung möglichst geschützt werden sollen. Für Hundebesitzer bedeutet dies: auf Wiesen, Feldern, Wäldern und an Gewässern sind Hunde an der kurzen Leine (maximale Leinenlänge von 2 Metern) zu führen, denn nicht nur Hasen und Rehe ziehen nun ihre Jungen auf – auch zahlreiche Vögel wie Kiebitz, Rebhuhn, Waldschnepfe oder Fasan brüten jetzt am Boden und reagieren besonders empfindlich auf Störungen.

Feldhasenjungen in der Sasse auf einer Wiese
Quelle: shutterstock 2774772893