Storch in Not

Dass wir Jäger einen Anruf aus dem Polizeirevier erhalten, ist leider nicht ungewöhnlich. Fast immer geht es dabei um die Beseitigung von Unfallwild. Diesen Anruf am 13. August 2026 werde ich jedoch nicht so schnell vergessen. In einer Einfamilienhaussiedlung in Biesen war im Garten einer Familie ein junger Storch gelandet und offenbar krank oder entkräftet, sodass er nicht mehr wegfliegen konnte.

Innerhalb einer halben Stunde war ich vor Ort und überlegte, wie man am besten einen Storch einfängt, denn der Stecher – der Schnabel – ist ja doch recht imposant. Ich wusste nicht, ob und wie wehrhaft der immerhin ausgewachsene Adebar ist, also war meine grüne Ansitzdecke aus Fleece die beste Option. Dass der Storch keinen Fluchtreflex hatte, machte die Situation zwar leichter, mir aber Sorgen, und da ich mich zwar mit der Aufzucht und Auswilderung von Stockenten auskenne, nicht aber mit Störchen, war Karsten Peterlein mein erster und bester Telefonjoker. Er leitet die Wildvogelstation in Leipzig, die durch den NABU finanziert wird. Auch er ließ sofort alles stehen und liegen, um sich mit mir an der Station zu treffen und den Storch entgegenzunehmen.

Es stellte sich nach einer gründlichen Untersuchung glücklicherweise heraus, dass er unverletzt war, allerdings unterernährt und stark dehydriert.

Es ist Karsten Peterlein zu verdanken, dass sich dieses tolle Tier so schnell erholen und sein Gewichtsdefizit ausgleichen konnte, denn schon wenige Tage später konnte er nach Borna umziehen, um dort nach einem Tag Quarantäne in einer Voliere mit drei anderen Jungstörchen vergesellschaftet zu werden, die sich dort frei im Garten aufhalten konnten, mit dem Ziel, dass sie nach ihrem eigenen Zeitplan und frei zu ihrer Reise in den Süden aufbrechen konnten. In der ersten Septemberwoche war es endlich soweit: alle vier Störche starteten.

Wer selbst einen verletzten oder kranken Vogel gefunden hat, bekommt bei der Wildvogelhilfe Leipzig Unterstützung. Kontaktdaten und weitere Infos: Wildvogelhilfe Leipzig – NABU Leipzig

Nistkästen jetzt reinigen

Jetzt im Herbst ist es Zeit, Nistkästen in den Revieren und Gärten gründlich zu reinigen.

Nistkästen im Garten werden gern angenommen.

Da die Brutzeit ab März beginnt – dies ist auch der Grund, warum Hecken, Büsche und Bäume zwischen dem 1. März und 30. September nicht mehr geschnitten werden dürfen, sollte das Reinigen der Nistkästen bis spätestens Februar abgeschlossen sein.

So haben die heimischen Höhlenbrüter im kommenden Frühling nicht nur einen sauberen Brutplatz, die regelmäßige Säuberung schützt auch den Vogelnachwuchs, denn nach dem Verlassen der Nistkästen bleibt das Nistmaterial samt unterschiedlicher Krankheiterreger und Parasiten wie z.B. Milben, Zecken und Vogelflöhe zurück.

Des Weiteren entfernen die meisten Vogelarten das alte Nest nicht und bauen ihr neues Nest auf das alte auf, so gelangen Nesträuber wie Waschbär oder Marder einfacher an Jungvögel und Eier.

Zur Reinigung reichen in der Regel eine Spachtel und ein Handfeger aus. Auf Chemikalien sollte bei der Reinigung gänzlich verzichtet werden.

Da natürliche Bruthöhlen in unserer Kulturlandschaft immer seltener anzutreffen sind, leisten wir Jäger durch das Anbringen von Nistkästen im Revier und deren Pflege einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Artenschutz.

Laut dem Deutschen Jagdverband pflegen Jägerinnen und Jäger in Deutschland ca. 270.000 Nistkästen (Stand Februar 2023).

(Text von Alexander Dimitrov)